mini|hochkant=1.2|Das ehemalige amerikanische Generalkonsulat in Bremen ist heute Sitz der Zentrale von BLG Logistics (Aufnahme von 2007) Die BLG Logistics Group AG & Co. KG (Eigenschreibweise: BLG LOGISTICS) mit der börsennotierten Komplementärin Bremer Lagerhaus-Gesellschaft – Aktiengesellschaft von 1877 ist ein international tätiges Seehafen- und Logistikunternehmen mit Sitz in Bremen. Die operativen Geschäftsbereiche Automobile, Contract und Container bieten Leistungen für Automobil-, Industrie- und Handelskunden. Die Gruppe hat fast 100 Niederlassungen in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika.

Unternehmensgeschichte 1877 bis 1933 65 Kaufleute gründeten im Februar 1877 die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft – Aktiengesellschaft von 1877 (BLG). Ein wesentlicher Faktor war dabei der Wunsch Bremer Baumwoll-Händler nach einer verbesserten Lager- und Handelsinfrastruktur einschließlich der Möglichkeit, Orderlagerscheine und Warrants ausstellen zu können.Liste der Kaufleute in Löbe, Seehafen Bremen, S. 287 f. Darstellung der Gründungspräliminarien bei Löbe, Seehafen Bremen, S. 41–51. Statuten der Gesellschaft bei Löbe, Seehafen Bremen, S. 297–302. Das Geschäft beschränkte sich auf Umschlag und Lagerung; der Transport von Waren gehörte nicht dazu. Fünf erste eigene Lagerhäuser gingen 1878 links der Weser im SicherheitshafenZum Sicherheitshafen kurz Heinrich Flügel: Die Häfen von Hamburg und Bremen im frühen 20. Jahrhundert. 1. Auflage. (Nachdruck der Ausgabe) Jena 1914, Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2010, S. 166, ISBN 978-3-86195-473-6. – seit ca. 1900 landläufig als Hohentorshafen bezeichnetLöbe: Seehafen Bremen, S. 137. – in Betrieb.Löbe: Seehafen Bremen, S. 57. Für den frühzeitigen Anschluss an das Eisenbahnnetz sorgte die BLG selbst.Löbe: Seehafen Bremen, S. 60. Das Unternehmen lagerte im ersten Betriebsjahrzehnt vor allem Getreide und Hülsenfrüchte, Schmalz, Speck und Schweinefleisch, Tabak, Baumwolle, Schafwolle und Kaffee.Löbe: Seehafen Bremen, S. 67.

1888 dehnte die BLG die Tätigkeiten auf den neuen Europahafen (Freihafen I) rechts der Weser aus, der nach dem Zollanschluss Bremens (Oktober 1888) als Freihafen konzipiert warHans Schackow: Brücken nach Übersee, Bridges to the world across the seas. In: Das Buch der bremischen Häfen. The Book of the Bremen Ports. S. 48–151, hier S. 100–103.; der entsprechende Betriebsüberlassungsvertrag zwischen Bremen und der BLG datiert vom Mai 1888.Löbe: Seehafen Bremen, S. 115. Abdruck des Vertragsinhaltes bei Löbe, Seehafen Bremen, S. 116–118. Die BLG beeinflusste die Entwicklung der Hafenanlagen rechts der Weser bis zum Ersten Weltkrieg maßgeblich.Löbe: Seehafen Bremen, S. 127. Details dort S. 127–137. Mit seiner Fertigstellung 1906 wurde sie auch im Freihafen II aktiv, der Betriebsüberlassungsvertrag wurde dafür angepasst.Löbe: Seehafen Bremen, S. 177–184 und S. 303–306. Ferner betrieb sie ab 1897 die Getreideverkehrsanlage.Löbe: Seehafen Bremen, S. 158–162. Lagerhaus-Gesellschaft, Bremer. In: W. Kloos, R. Thiel: Bremer Lexikon. Ein Schlüssel zu Bremen, S. 205. 1929 übernahm sie den Weserbahnhof.Löbe: Seehafen Bremen, S. 213. Als Reaktion auf die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise führte die BLG Anfang April 1932 das sogenannte Krümpersystem ein, das durch wechselnde Beurlaubungen von Arbeitern deren Arbeitslosigkeit verhindern sollte. Das System blieb bis Ende April 1935 in Kraft.Löbe: Seehafen Bremen. S. 217 und S. 225. Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Band 3. Bremen in der Weimarer Republik (1918–1933). Erweiterte und verbesserte Auflage. Edition Temmen, Bremen 1995, S. 543.Ein Synonym für den Begriff Krümpersystem ist job sharing. Siehe die Erläuterung 1 der Bearbeiter zur Quelle Nr. 731 Der Preußische Ministerpräsident an den Reichskanzler. 30. April 1932 (Otto Braun an Heinrich Brüning). In: Akten der Reichskanzlei. Die Kabinette Brüning I und II (1930–1932), Bände 1–3. Bearbeiter: Tilman Koops, herausgegeben für die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von Karl Dietrich Erdmann und für das Bundesarchiv von Wolfgang Mommsen (bis 1972) unter Mitwirkung von Walter Vogel (bis 1978), Hans Booms. Boldt, Boppard am Rhein 1982/1990.

1933 bis 1945 Im Zuge der „Machtergreifung“ in Bremen wurde der langjährige Vorstandsvorsitzende Kurt Dronke, Mitglied der Fraktion der Deutschen Staatspartei in der Bremischen Bürgerschaft, im April 1933 aus seinem Amt gedrängt. Sein Nachfolger wurde ein NSDAP-Mitglied.Fritz Peters: Bremen zwischen 1933 und 1945. Eine Chronik (Nachdruck). Dogma, Bremen 2013, S. 21, ISBN 978-3-95507-860-7. Löbe, Seehafen Bremen, S. 219 und S. 293. Ähnlich erging es Carl Krüger, der dem Vorstand seit 1931 angehörte: Unter politischem Druck bat er im September 1933 um einen sechsmonatigen Urlaub, am 31. Mai 1934 trat er in den Ruhestand.Löbe: Seehafen Bremen, S. 294. Auf Basis der nationalsozialistischen Gesetzgebung wurden auch in Bremen alle unständigen Arbeiter des Hafens bei einem Gesamthafenbetrieb angestellt (in Bremen seit dem 25. Juni 1934: Hafenbetriebsverein in Bremen e. V.). Dieser wies den Hafenbetrieben, auch der BLG, Arbeitskräfte zu.Löbe: Seehafen Bremen, S. 227 f. Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Band 4. Bremen in der NS-Zeit (1933–1945). Erweiterte und verbesserte Auflage. Edition Temmen, Bremen 1995, S. 240. Zu diesen Arbeitskräften zählten nach Beginn des Zweiten Weltkriegs auch Fremdarbeiter, Kriegsgefangene, Ostarbeiter, sowie zeitweilig auch Strafgefangene und KZ-Häftlinge.Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Informationen in der digitalen Chronik von Horn-Lehe, Abruf am 23. Juli 2017. Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Band 4. Bremen in der NS-Zeit (1933–1945). Erweiterte und verbesserte Auflage. Edition Temmen, Bremen 1995, S. 475–479. Anfang Januar 1941 verwüstete ein durch Brandbomben verursachtes Feuer das Verwaltungsgebäude der BLG.Löbe: Seehafen Bremen, S. 230. Spreng- und Brandbomben zerstörten bis Kriegsende einen Großteil des Hafens und seiner Anlagen (Lager, Speicher, Schuppen, Kräne, hydraulisches Gerät, Gleise, Leitungen, Getreideanlage, Weserbahnhof etc.).Löbe: Seehafen Bremen, S. 187 und S. 231–234. US-Luftaufnahmen der zerstörten Hafenanlagen bei Arnold Agatz: Die Hafenanlagen im Spiegel der Zahlen. Facts and Figures about the Port Installations. In: Das Buch der bremischen Häfen. The Book of the Bremen Ports. S. 152–177, hier ab S. 176.

1945 bis 1998 Die Behörden in der amerikanischen Besatzungszone entließen am 17. September 1945 zehn leitende Angestellte der BLG.Löbe: Seehafen Bremen, S. 202. Die Wiederzulassung für Geschäftstätigkeiten erhielt das Unternehmen am 29. November 1945.Löbe: Seehafen Bremen, S. 235. Mit der fortschreitenden Instandsetzung des Hafens belebten sich die Aktivitäten der BLG. Zunächst konzentrierte sich das Geschäft vor allem auf den Überseehafen. Dann ging es um die Reparatur des Europahafens. 1951 nahm der Weserbahnhof seinen Betrieb wieder auf. In der ersten Hälfte der 1950er Jahre begann ebenfalls der Betrieb des Kühlhauses am Holz- und Fabrikenhafen.Löbe: Seehafen Bremen, S. 234–239, S. 242 und S. 245–247.

mini|hochkant=1|Hafenhochhaus, Geschäftssitz bis 2001 (Aufnahme von 2010) Ab Mitte 1953 führte die BLG auch die Regie in den Häfen von Bremerhaven. Das betraf den Kaiserhafen, die Columbuskaje, den Neuen Hafen und den Verbindungshafen. Der Nordhafen kam später hinzu.Löbe: Seehafen Bremen. S. 241 f. Bremer Lagerhausgesellschaft. In: Schwarzwälder: Das große Bremen-Lexikon, Band 1, A–K. 1959 schlossen die Stadtgemeinde Bremen und die BLG einen Betriebsvertrag ab. In ihm wurde geregelt, dass die Stadt die Mehrheit der Anteile hält.Löbe: Seehafen Bremen, S. 253–255, Abdruck dort S. 313–317. 1961 bezog das Unternehmen das neu errichtete Hafenhochhaus am Kopf des Überseehafens.Löbe: Seehafen Bremen, S. 247. Zwei Jahre später unterzeichneten die Stadt Bremen und BLG ein Vertragswerk, das dem Unternehmen ermöglichte, für erweiterte Aufgaben Fremdmittel auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen. Auf diese Weise finanzierte es die erheblichen Aufwendungen für Bau und Betrieb des Neustädter Hafens (Betrieb ab 1965/1966) sowie für Bau und Betrieb des Container-Terminals in Bremerhaven (Bau ab 1968; Betrieb ab 1971).Löbe: Seehafen Bremen, S. 272. Bereits 1966 machte das erste in Europa erschienene Containerschiff, die Fairland, im Überseehafen fest. Löbe, Seehafen Bremen, S. 277. Die erste Containerbrücke nahm am 1. Oktober 1966 im Neustädter Hafen ihren Dienst auf.Harald Focke: Die ersten Container kamen an die Weser, S. 3. Seit 1967 bestand in diesem Hafen auch eine provisorische Anlage für RoRo-Schiffe; Ende 1973 stand eine solche im Europahafen dauerhaft zur Verfügung.

Bremerhaven wurde seit 1970 fahrplanmäßig von LASH-Mutterschiffen angelaufen. Ab Februar 1974 stand am Kopf des Überseehafens ein schwimmender BargenliegeplatzZum Begriff der Barge siehe das Stichwort kombinierter Verkehr im Gabler Wirtschaftslexikon, Abruf am 23. Juli 2017. Ferner das Lemma Barge Carrier. In: Peter Klaus, Winfried Krieger, Michael Krupp (Hrsg.): Gabler Lexikon Logistik. Management logistischer Netzwerke und Flüsse. 5. Auflage, Springer Gabler, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-8349-3371-3, S. 41. bereit.Karl-Heinrich Müller, Günter Gerdes, Gerhard Thoms, Klaus-Peter Rehm: Die Hafenanlagen in Bremen. In: Jahrbuch der Hafenbautechnischen Gesellschaft, Band 35 (1975/76), S. 41–55, hier S. 41. 1979 übernahm die BLG von der Anker Schiffahrtsgesellschaft die Umschlaganlage Kap Horn mit Zugang zur Weser sowie zum Industriehafen. Im selben Jahr war die RoRo-Anlage im Neustädter Hafen betriebsbereit.Bremer Lagerhausgesellschaft. In: Schwarzwälder: Das große Bremen-Lexikon, Band 1, A–K.

Die BLG hatte in den 1980er Jahren Teil am boomenden Containergeschäft, das die gesamte Hafenwirtschaft umformte und insbesondere in Bremerhaven zum Ausbau des Terminals in mehreren Stufen führte.Siehe hierzu Der harte Wettbewerb drückte jedoch auf die Margen, auch bei der BLG. Die Rezession der Weltwirtschaft Anfang der 1980er Jahre führte zu Entlassungen von BLG-Beschäftigten im gewerblichen und kaufmännischen Bereich. Über Geschäftskontakte zu Volkswagen und später zu Daimler-Benz begann das Unternehmen mit Logistikdienstleistungen für die Automobilindustrie und verbesserte dabei seine Wertschöpfung, zunächst per FeinverteilungZu diesem Begriff siehe das entsprechende Lemma in: Klaus Bichler, Ralf Krohn, Peter Philippi, Frank Schneidereit (Hrsg.): Kompakt-Lexikon Logistik. 2.250 Begriffe nachschlagen, verstehen, anwenden. 3. aktualisierte Auflage, Springer Gabler, Wiesbaden 2017, S. 77, ISBN 978-3-658-12534-9. von Zulieferer-Material in die deutschen Werke, dann per Semi Knocked Down und Completely Knocked Down.Hierzu anschaulich Heinz Bamberger, früherer BLG-Manager, im Interview: BLG – „Logistiker mit eigenem Hafen“, Interview von Frauke Wilhelm mit Heinz Bamberger (2013), digitales-heimatmuseum.de, Abruf am 23. Juli 2017. Logistikdienste mit verbesserter Wertschöpfung übernahm die BLG seit 1980 auch für Minolta.Eckhard-Herbert Arndt: Logistik ohne Kopiereffekt. BLG Logistics Group arbeitet seit 27 Jahren mit Konica Minolta zusammen. In: FM Fracht + Materialfluß, Heft 3, 2007.

Die Überwindung der realsozialistischen Regime in Mittel- und Osteuropa Ende der 1980er / Anfang der 1990er Jahre brachte für die BLG deutliche Ladungsverluste im konventionellen Geschäft. Das Unternehmen geriet in die Krise.

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