Der Augustusplatz in Leipzig befindet sich am östlichen Innenstadtring und ist mit 40 000 m² einer der größten Stadtplätze in Deutschland. Er ist seit 1839 nach Friedrich August I. (1750–1827) benannt, dem ersten Herrscher des Königreichs Sachsen, und trug von 1945 bis zur deutschen Wiedervereinigung Anfang Oktober 1990 den Namen Karl-Marx-Platz. Während der Wendezeit 1989 war der Platz der zentrale Versammlungsort der Montagsdemonstrationen.
Beschreibung Rund um das weitläufige Areal finden sich Gebäude aus verschiedenen Epochen Leipziger Architektur. Die älteste Sehenswürdigkeit ist der 1886 eingeweihte Mendebrunnen vor dem Neuen Gewandhaus. Das markante City-Hochhaus von 1972 an der südwestlichen Ecke hinter dem 2001 gebauten MDR-Würfel ist das höchste Hochhaus Leipzigs. Daran anschließend finden sich an der Westseite zwei Gebäude der Universität, das Neue Augusteum und das Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli, die 2012 bzw. Ende 2017 fertiggestellt wurden. Jenseits der zum Markt führenden Grimmaischen Straße steht das erste Hochhaus der Stadt. Das aus der Zeit der Weimarer Republik stammende Krochhochhaus mit der Theaterpassage und dem Ägyptischen Museum der Universität ist 43,2 Meter hoch. Als Vorbild für das Glocken-Schlagwerk auf dem Dach mit den beiden 3,30 Meter großen Glockenmännern diente der Uhrturm von San Marco am Markusplatz von Venedig.
Die Nordseite dominiert das im neoklassizistischen Stil gehaltene Opernhaus, welches 1960 eingeweiht wurde. An der Ostseite stehen die ehemalige Hauptpost von 1964 sowie das Hotel Radisson Blu, dessen Bausubstanz ebenfalls aus den 1960er Jahren stammt. Das daran anschließende Europahaus (56 m hoch) wurde kurze Zeit nach dem Krochhochhaus als städtebauliches Gegengewicht Ende der 1920er Jahre auf der gegenüberliegenden Platzseite erbaut. Am südlichen Rand steht das 1981 eröffnete Neue Gewandhaus, die Heimstatt des Gewandhausorchesters.
Mit dem Neuen Postgebäude (1838), dem Museum der bildenden Künste („Bildermuseum“, 1858) sowie dem Neuen Theater (1868) standen bis zu ihrer Zerstörung durch die Luftangriffe auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg am Augustusplatz repräsentative Bauten, die ihn zusammen mit dem im Krieg beschädigten Augusteum und der unbeschädigt gebliebenen Universitätskirche zu einem der schönsten deutschen Plätze machten. Die Reste dieses historischen Gebäudeensembles gingen während der DDR-Zeit endgültig verloren, als die Ruine des Bildermuseums 1962 sowie Augusteum und Universitätskirche auf Betreiben der Universität und nach Beschluss der SED-geführten Stadtverwaltung im Jahr 1968 gesprengt wurden.
180°-Panorama der Südseite des Platzes 180°-Panorama der Nordseite des Platzes Anklicken des Gebäudes führt zum zugehörigen Artikel. Anklicken des 16px|verweis=|alt= führt zur Beschreibungsseite des Bildes.
Allgemeines Der Augustusplatz ist, die parallel verlaufenden Fahrstreifen und Gehwege eingerechnet, ca. 185 Meter breit. Die Entfernung in Nord-Süd-Richtung (zwischen Opern- und Gewandhaus) beträgt ca. 215 Meter, was eine Fläche von knapp vier Hektar ergibt. Die Zählung der Hausnummern beginnt an der Ostseite mit der ehemaligen Hauptpost („Lebendiges Haus“, Augustusplatz 1–4) und geht in Hufeisennummerierung über das Radisson Blu Hotel (Nr. 5–6), das Europahaus (Nr. 7, Sitz der Stadtwerke Leipzig) sowie das Neue Gewandhaus (Nr. 8) bis zu den Gebäuden an der südwestlichen Platzecke. Die Hausnummern der westlichen Platzseite sind nördlich der Grimmaischen Straße der Goethestraße zugeordnet, die zum Hauptbahnhof führt. Im Nordosten beginnt in Höhe des Opernhauses (Augustusplatz Nr. 12) der Georgiring. Im Südosten befindet sich der Roßplatz mit seiner charakteristischen Ringbebauung.
Unter dem Augustusplatz befindet sich eine von Q-Park bewirtschaftete Tiefgarage (Augustusplatz Nr. 15).
Geschichte mini|Stadtbefestigung von Leipzig während des Dreißigjährigen Krieges, in der unteren Bildhälfte rechts das Grimmaische Tor und die Grimmaische Vorstadt (1632) Der Bereich des späteren Augustusplatzes lag jahrhundertelang außerhalb von Stadtmauer und Stadtgraben zwischen Altstadt und Grimmaischer Vorstadt. Über ihn verlief seit dem Mittelalter die Handelsstraße Via Regia, die als Grimmaischer Steinweg im Spätmittelalter mit Steinpflaster befestigt war. Ansonsten war der Platz unbebaut, damit ein freies Schussfeld zur Verteidigung der Altstadt in Kriegszeiten gegeben war.
Nach dem Hubertusburger Frieden von 1763 stellte der sächsische Kurfürst Friedrich August II. der Stadt die Verteidigungsanlagen unter der Bedingung zur Verfügung, dass nach ihrer schrittweisen Abtragung der Platz für gemeinnützige Zwecke verwendet würde. Bürgermeister Carl Wilhelm Müller beauftragte 1784 den Baudirektor der Stadt Johann Carl Friedrich Dauthe unter diesem Aspekt mit der Gestaltung einer Parkanlage um den Nordostteil der Stadt bis zum Grimmaischen Tor.
Dauthe legte an der Stelle der niedergelegten Stadtbefestigung vor dem Grimmaischen Tor zwei Rasenrondelle an, die wiederum von einem Kreis von Pappeln eingefasst wurden. Dieser Flanierplatz erhielt den Namen Platz vor dem Grimmaischen Thor. Zwischen den Rondellen führte die Verbindung vom Grimmaischen Tor zum Grimmaischen Steinweg, der sich am (Alten) Johannisfriedhof in die Straßen nach Grimma und Dresden über Wurzen teilte. Am Beginn des Grimmaischen Steinwegs stand auf seiner Südseite und nunmehr an der Ostseite des neuen Platzes schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts der Poststall, auch „Posthörnchen“ genannt, mit den Pferden für den Postkutschenbetrieb.
Das Material der abgetragenen Verteidigungsschanzen ließ Dauthe zu einem etwa 25 Meter hohen Hügel an der Nordseite des Platzes aufschütten, der wegen der spiralförmig verlaufenden Aufstiegwege Schneckenberg genannt wurde. Er diente auch als Abschluss der dahinter angelegten Parkanlage im englischen Stil am heutigen Schwanenteich. Er wurde von den Leipzigern sehr gut angenommen und diente als Aussichtspunkt und Rodelberg. Theodor Körner entwarf auf dem Schneckenberg am 24. April 1813 sein Gedicht „Lützows wilde Jagd“. Ab 1864 wurde der Schneckenberg für die Errichtung des Neuen Theaters abgetragen.
Um 1840 war der Platz ein bedeutender Messe-Standort für Kleinhandel für die Gewerke von Korbmachern, Glas- und Blechwarenhändlern, Schuhmachern und Pfefferküchlern geworden. Die von Dauthe angelegten Rondelle am Torplatz dienten auch dazu, Staus von Wagenverkehr während der Messezeit zu begrenzen.Horst Riedel, 2012, S. 29
Am östlichen Rand des späteren Augustusplatzes errichtete 1821 auf dem Grundstück des früheren Poststalls Benedictus Gotthelf Teubner einen ersten repräsentativen Neubau am Platz. Später schrieb B. G. Teubner, „daß ich damit der Stadt zumal an diesem freien Platze eine wahre Zierde geschaffen und dadurch für die Herstellung schöner Gebäude eine neue Bahn gebrochen habe“.Jürgen Weiß: B. G. Teubner zum 225. Geburtstag. Adam Ries – Völkerschlacht – F. A. Brockhaus – Augustusplatz – Leipziger Zeitung – Börsenblatt. Edition am Gutenbergplatz Leipzig, 2009 Dort siedelte sich auch das 1819 gegründete Handelshaus F. Flinsch an, das im Papiergroßhandel tätig war.
An der Südseite des Platzes stand seit Ende der 1790er Jahre das barocke Wohnhaus Weinnäpfchen. Im Zusammenhang mit dem Bau des „Bildermuseums“, das an das Weinnäpfchen-Grundstück grenzte, und der Anlage der Ringstraße kaufte die Stadt Leipzig 1858 das Grundstück, parzellierte es und ließ das Haus abtragen.
1839 beschloss die Stadtverwaltung die Umbenennung in Augustusplatz.Gina Klank, Gernot Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen, Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 30
In den 1920er Jahren gab es rege Debatten und Planungen zur Umbauung des Platzes mit Gebäuden, die seiner Größe angemessen sind und der aufstrebenden Messestadt Leipzig ein entsprechendes großstadttypisches Gepräge geben. Im Zuge dieser Überlegungen zur Neugestaltung brachten die SPD und die KPD 1927 Anträge zur Umbenennung in „Platz der Republik“ bzw. „Karl-Marx-Platz“ ein. In einer Abstimmung der Stadtratsfraktionen gewann, auch durch einen Verfahrensfehler begünstigt, der Vorschlag der KPD. Die abschließend notwendige Zustimmung des Rates der Stadt blieb aber aus.
Während der NS-Zeit wurde der Platz als Aufmarschforum und Standort nationalsozialistischer Propagandaausstellungen genutzt. 1940 wurden dort die beiden Ausstellungen „Die Wehrmacht zeigt Dokumente aus dem Polenfeldzug“ und „Der Sieg im Westen“ gezeigt. Ab 1944 wurden auf dem Augustusplatz große Berge aus Trümmern der Innenstadt aufgehäuft, die mit der sogenannten Zentrumsbahn der Leipziger Trümmerbahnen abtransportiert wurden.
1945 wurde der Platz in Karl-Marx-Platz umbenannt.Gina Klank, Gernot Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen, Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 30 Laut dem Stadtchronisten, Horst Riedel, geschah das im Herbst 1945.Horst Riedel, 2012, S. 30 In neueren Online-Quellen wird als Datum der Umbenennung der 1. August 1945 genannt.
In den 1950er Jahren fanden auf dem nunmehrigen Karl-Marx-Platz die Kundgebungen bzw. Demonstrationen zum 1. Mai statt, bevor die Tribüne an den Georgiring verlegt wurde.
Zum Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 1990, erhielt der Platz den alten Namen zurück.
Bebauung Südseite (Neues Gewandhaus)
mini|Das Neue (dritte) Gewandhaus wurde von 1977 bis 1981 auf dem Areal des im Krieg zerstörten „Bildermuseums“ gebaut (2011) Ende 1858 eröffnete das von Ludwig Lange im Stil der italienischen Renaissance entworfene Museum der bildenden Künste. Zur Zierde wurde davor der 1886 eingeweihte Mendebrunnen aufgestellt. Auf dem Areal des kriegszerstörten Baus fand 1977 die Grundsteinlegung für das heutige Neue Gewandhaus statt. Das Gewandhausorchester, das nach der Zerstörung des Neuen Concerthauses in der Kongreßhalle eine Bleibe fand, debütierte dort am 7. Oktober 1981 unter der Leitung von Kurt Masur mit einem Konzert für die am Bau Beteiligten.
Westseite (Augustusplatz/Goethestraße) mini|Relief „Aufbruch“ am Hauptgebäude der Karl-Marx-Universität Leipzig (1975) Das Grimmaische Tor wurde 1831 abgerissen. Im gleichen Jahr ließ der Leipziger Zuckerbäcker Wilhelm Felsche neben der Paulinerkirche an der südlichen Einmündung der Grimmaischen Straße sein Café français (ab 1914 Café Felsche) errichten. Das Kaffeehaus der Spitzenklasse wurde 1943 zerstört. In dem heutigen Gebäude Augustusplatz 11 befindet sich aktuell (2020) u. a. eine Filiale des Systemgastronomen Vapiano. Auf dem ehemaligen Areal des Großen Kollegs nördlich davon sind zu beiden Seiten des Krochhochhauses zwei Geschäftshäuser aus der Zeit der Belle Époque erhalten. Auf den Grundstücken Goethestraße 3–5, wo das Gasthaus Zur Melone, das Neue Schenkenhaus und die Meißner Burse standen,leipzig-dasdorf.de: baute in den Jahren 1910/11 der Architekt Martin Dülfer im Auftrag der Dresdner Bank (heute Commerzbank) ein viergeschossiges Geschäftshaus im Stil des Historismus. Es war ab Beginn der 1950er Jahre Standort der Universitätsbuchhandlung Franz-Mehring-Haus,altes-leipzig.net: Franz-Mehring-Haus, Universitätsbuchhandlung am Karl-Marx-Platz Anzeige von 1952 weshalb das Bauwerk als Franz-Mehring-Haus oder einfach als „Mehringhaus“ bekannt ist. Das Geschäft, seinerzeit mit 2000 Quadratmetern größte Buchhandlung der DDR, wurde Anfang 2009 geschlossen.boersenblatt.net: Ende einer Legende Heute befindet sich im Erdgeschoss neben einem Shop der Textilkette Wellensteyn eine Commerzbank-Filiale.
mini|Westseite mit Königsbau, Krochhochhaus und Mehringhaus. Der Glaszylinder im Vordergrund rechts ist nachts beleuchtet und einer der acht Treppenzugänge der Tiefgarage. (2005)