Israel (; ), amtlich Staat Israel (), ist ein Staat in Vorderasien an der Ostküste des Mittelmeers. Israel ist der einzige Staat der Erde mit mehrheitlich jüdischer Bevölkerung und versteht sich gemäß seinem Nationalstaatsgesetz als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“.Art. 1 Nationalstaatsgesetz De facto ist Israel jedoch ein multiethnischer Staat, in dem ein erheblicher Teil der Bevölkerung (rund 23 Prozent) Nichtjuden sind.
Israel gehört geographisch zum Maschrek und grenzt an den Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten sowie an den Gazastreifen und das Westjordanland. Die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt Israels ist Jerusalem; jedoch erkennen die Vereinten Nationen und die Mehrheit ihrer Mitgliedstaaten Jerusalem nicht als israelische Hauptstadt an, da Teile der heutigen Stadt auf 1967 im Sechstagekrieg von Israel besetztem und später annektiertem Gebiet liegen. Der größte Ballungsraum ist Gusch Dan um die am Mittelmeer gelegene Metropole Tel Aviv-Jaffa.
Das Gebiet des heutigen Israel gilt als Wiege des Judentums (inklusive der Samaritaner) und der beiden jüngeren abrahamitischen Religionen (Christentum und Islam). Israelitische Königreiche bestanden von ca. 1000 bis 587 v. Chr. (Israel bis 722, Juda bis 587); danach geriet das Gebiet unter die Herrschaft der Babylonier, Perser sowie Alexanders des Großen (ab 332 v. Chr.) und der ihm nachfolgenden Diadochen. Nach einer Phase der erneuten Unabhängigkeit unter den Hasmonäern (ab 165 v. Chr.) stand es seit 63 v. Chr. nacheinander unter römischer, byzantinischer, sassanidischer, arabischer, osmanischer und britischer Herrschaft. Die dort seit rund 3000 Jahren ansässigen Juden (nach biblischem Sprachgebrauch Israeliten oder Hebräer) wurden im Laufe der Geschichte mehrmals vertrieben oder zur Emigration gedrängt (jüdische Diaspora). Vom ausgehenden 19. Jahrhundert an bestanden unter europäischen Juden nicht zuletzt aufgrund des in Europa zunehmenden Antisemitismus (Dreyfus-Affäre, Pogrome in Osteuropa usw.) Bestrebungen, im damals osmanischen Palästina einen jüdischen Staat zu errichten (Zionismus). Ein Grundstein wurde dafür auf dem ersten Zionistenkongress 1897 in Basel unter der Führung Theodor Herzls gelegt. Der Plan einer Staatsgründung nahm durch die britische Balfour-Deklaration von 1917 konkretere Formen an. Von 1920 bis 1948 bestand das Völkerbundsmandat für Palästina, das nach der Auflösung des Osmanischen Reiches Großbritannien übertragen worden war. Eine verstärkte jüdische Einwanderung und der Aufbau protostaatlicher Strukturen führten zu ersten Konflikten mit der arabischen Bevölkerung. Der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 hatte das Ziel, diese zu befrieden, doch wurde er von arabischer Seite abgelehnt, da die Teilung mit einem erheblichen territorialen Verzicht zu Ungunsten der Araber verbunden war. Während des Palästinakriegs erfolgte am 14. Mai 1948 die israelische Unabhängigkeitserklärung. Die folgenden Jahrzehnte sind vom andauernden arabisch-israelischen Konflikt geprägt, der weiterhin nicht gelöst ist (siehe z. B. Zweistaatenlösung). Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen erheben in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe gegen Israel. Israels Besetzung der palästinensischen Gebiete (Westjordanland und Ostjerusalem, beide mit Hunderttausenden israelischer Siedler, sowie Gazastreifen) wurde 2024 in einem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs als „illegal“ bezeichnet.
Das politische System Israels basiert auf einem parlamentarischen Regierungssystem. Regierungschef ist der von der Knesset eingesetzte Ministerpräsident; das Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, der überwiegend repräsentative Aufgaben erfüllt. Israel ist als freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat mit einem ausgeprägten Sozialstaat verfasst; das Land wird oft als die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ bezeichnet. Der überwiegend zentralistisch verwaltete israelische Staat ist in sechs Bezirke unterteilt, und diese sind wiederum in 71 Städte, 141 Gemeinden und 53 Regionalverbände (Zusammenschlüsse kleinerer Ortschaften zu Verwaltungsgemeinschaften) gegliedert.
Das dicht besiedelte Land hat 2025 etwa 10 Mio. Einwohner, davon ca. 7,7 Mio. Juden (76,9 %), 2,1 Mio. muslimische, christliche und drusische Araber (21 %) und weitere rund 490.000 Einwohner, darunter insbesondere einige im Land beheimatete Minderheiten wie christliche Aramäer,israelheute.com Samaritaner, Armenier, Tscherkessen und Roma.Israelisches Zentralbüro für Statistik (CBS): הודעה לתקשורת (PDF, Pressemitteilung), veröffentlicht am 6. Mai 2019, abgerufen am 30. August 2024. Das Rückkehrgesetz gestattet es allen Juden der Erde, sich in Israel niederzulassen. Seit etwa 1990 leben auch zunehmend legale asiatische und osteuropäische Arbeitsmigranten sowie illegale Einwanderer aus Afrika im Land.
Die jüdische Bevölkerung setzt sich aus Aschkenasim, Mizrachim, Sephardim, Falaschen und jemenitischen Juden zusammen, doch ist eine zunehmende Verschmelzung dieser Gruppen zu beobachten. Die Mehrheit der arabischen Israelis sind Muslime, eine Minderheit bilden arabische Christen und Drusen.
Trotz widriger äußerer Umstände (exponierte geografische Lage, Kriege mit den Nachbarstaaten, begrenzte Wasser- und Rohstoffvorkommen, Abhängigkeit von ausländischem Kapital) ist es Israel gelungen, einen hoch entwickelten Wirtschafts- und Wissenschaftssektor aufzubauen. Die israelische Wirtschaft ist von einer fortschrittlichen intensiven Landwirtschaft und einer spezialisierten, stark exportorientierten Industrie geprägt. Wichtige Industriesektoren sind die Diamantenverarbeitung, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie die Halbleitertechnik; im Dienstleistungssektor sind vor allem die Finanzwirtschaft, die Softwareentwicklung und der Tourismus nennenswert. Von wachsender Bedeutung ist die High-Tech-Industrie. Das Land hat die höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung pro Einwohner und die höchste Dichte an Start-ups weltweit.
Der Staat Israel ist seit 2010 Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Nach dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) befindet er sich auf Platz 27 (Platz 2 im Nahen Osten, Platz 6 in Asien, Stand 2025). Im Jahr 2025 wurde Israels Pro-Kopf-BIP auf 60.100 US-Dollar geschätzt, was es mit weltweit Platz 14 zu einem der reichsten Industrieländer macht. In Bezug auf das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem, Innovation und Lebenserwartung liegt es im Nahen Osten an erster Stelle. In Bezug auf Pressefreiheit liegt Israel im Nahen Osten an dritter und weltweit an 116. Stelle. Laut Global Finance lag Israel im Jahr 2022 auf Platz 6 der technologisch fortschrittlichsten Länder.
Name → siehe auch: Israel (Name)
mini|hochkant|Die ägyptische Merenptah-Stele von 1208 v. Chr. ist der älteste Beleg für das Wort „Israel“, das hier in einem Text über die unterworfenen Völker Kanaans genannt wird
Den ältesten Beleg für die Bezeichnung „Israel“ enthält die ägyptische Merenptah-Stele, die sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo befindet. Sie beschreibt einen Feldzug des Pharaos gegen die Völker Kanaans und wird auf das Jahr 1208 v. Chr. datiert. Die Bibel erzählt von den „Kindern Israels“, die mit den ebenfalls von ihr erwähnten „Hebräern“ gleichgesetzt werden, und den Königreichen Israel und Juda, die bis zur Eroberung durch Assyrien (Zerstörung Israels 722 v. Chr.) bzw. bis zum Babylonischen Exil des Königs von Juda und seiner Bevölkerung (ab 597 v. Chr.) zwei Kleinstaaten bildeten, die in zahlreiche politische Allianzen und Konflikte mit ihren Nachbarn verwickelt waren und einander bekämpften.Christoph Levin: Das alte Israel. 5., überarbeitete Auflage. Beck, München 2018, S. 127. Die Herrscherdynastie von Juda leitete sich vom gesamtisraelitischen König David (10. Jh. v. Chr.) ab.
Die Volksetymologie des Alten Testaments leitet „Israel“ von der Wurzel (herrschen) ab und deutet das Wort als „er kämpft wider Gott“ . Jakob bekam diesen Beinamen nach seinem Kampf am Jabbok. Seine Nachkommen, die zwölf Stämme, wurden als „Kinder Israels“, „Israeliten“ oder kurz als „Israel“ bezeichnet. Jedoch kommen auch andere Herleitungen in Frage.
Ableitungen vom Namen Israel lauten: Israeli, israelisch (bezogen auf den heutigen Staat) und Israelit, israelitisch (im Sinne von Jude, jüdisch, zum biblischen Volk Israel gehörend).
Andere Namensvorschläge vor der Staatsgründung (1948), die jedoch verworfen wurden, waren: Land Israel (Eretz Israel), Zion, Juda und Neues Juda.
Geographie
Israel liegt auf einer Landbrücke zwischen Asien und Afrika am östlichen Rand des Mittelmeeres. Damit zählt es geographisch zu Vorderasien, geologisch aber zu Afrika, da es auf der afrikanischen Kontinentalplatte liegt. Im Osten liegt die Arabische Platte und die Grenze dazu bildet das Jordantal, welches Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs ist. Im Westen grenzt Israel ans Mittelmeer, im Norden an den Libanon, im Nordosten an Syrien, im Osten an die palästinensischen Autonomiegebiete und Jordanien, im Süden ans Rote Meer und im Südwesten an Ägypten und den Gazastreifen.
Fläche Das Staatsgebiet Israels liegt innerhalb der Waffenstillstandslinie von 1949, der sogenannten Grünen Linie und beträgt 20.991 km²; davon sind 20.551 km² Land und 440 km² Wasser. Das entspricht etwa der Größe Hessens. Durch das Jerusalemgesetz 1980 und die Annexion der Golanhöhen 1981 hat Israel aus israelischer Sicht eine Fläche von 22.380 km² und ist damit etwa doppelt so groß wie der Libanon. In der Länge misst das Land von Norden bis Süden 470 km. An seiner breitesten Stelle misst das Land 135 km, an der schmalsten nur 15 km.
Die im Sechstagekrieg von 1967 von Israel eroberten Gebiete haben eine Fläche von über 67.000 km², wobei rund 60.000 km² auf die 1982 an Ägypten zurückgegebene Sinai-Halbinsel entfallen. Die Fläche des von Israel annektierten Golan beträgt 1150 km², diejenige Ostjerusalems und Umgebung 70 km². Das Westjordanland, historisch und in Israel amtlich als Judäa und Samaria bezeichnet, umfasst 5879 km², 220 km² davon Wasser, und der Gazastreifen misst 360 km².
Im Zuge des Ersten Libanonkriegs im Jahr 1982 okkupierte Israel kurzfristig etwa 6500 km² des Libanons und rückte bis nach Beirut vor, zog sich dann aber wieder bis zum Südlibanon zurück und besetzte bis 1985 ein 3058 km² umfassendes Gebiet. Die danach eingerichtete Sicherheitszone südlich des Flusses Litani wurde im Mai 2000 geräumt.
Landschaft mini|See Genezareth mini|Har Meron in Galiläa mini|Das Tote Meer mini|Dattelpalmen in der Arava mini|Machtesch Ramon, steilwandiger eingesenkter Talkessel im Negev
Israel lässt sich in vier Regionen einteilen: Die Mittelmeerküste, die Hügellandschaft im Zentrum, das Jordantal und die Negev-Wüste.
Das Tote Meer ist mit der niedrigste Punkt Israels und der Erde; der höchste Punkt des Landes ist der Berg Meron in Galiläa mit , beziehungsweise aus israelischer Sicht ein hoher Vorgipfel des Hermon in den von Israel besetzten Golanhöhen.
Die Küstenebene verläuft von der libanesischen Grenze nach Gaza im Süden, nur vom Karmelkap in der Bucht von Haifa unterbrochen. Um Gaza ist sie etwa 40 km breit, wird gegen Norden immer schmaler und hat an der libanesischen Grenze nur noch eine Breite von fünf Kilometern. Sie ist subtropisch und wird für den Anbau von Wein und Zitrusfrüchten genutzt. Der am dichtesten bevölkerte Teil ist der Großraum Tel Aviv (Gusch Dan). Ebenfalls sehr dicht besiedelt ist die nördlich angrenzende Scharonebene. Die landwirtschaftlich intensiv genutzte Ebene wird von mehreren kurzen Flüssen durchzogen, von denen nur zwei, der Yarkon und der Kischon, ganzjährig Wasser führen. Vor allem der südliche Teil des Küstengebiets wird von Sanddünen durchzogen.